So machen Sie Fotos für einen Online-Shop
25.02.2014 61517

So machen Sie Fotos für einen Online-Shop

Ein erfolgreicher Online-Handel beginnt mit Fotos, denn sie sollen die Ware in ihrer ganzen Pracht zeigen. Schlechte, unprofessionelle Bilder können einen potenziellen Käufer abschrecken und den Verkäufer ohne den gewünschten Gewinn zurücklassen. Wie man kompetent Fotos für einen Online-Shop verkauft, sagen Experten den Online-Giganten Sapato.ru und Lamoda.ru.

Ein erfolgreicher Online-Handel beginnt mit Fotos, denn sie sollen die Ware in ihrer ganzen Pracht zeigen. Schlechte, unprofessionelle Bilder können einen potenziellen Käufer abschrecken und den Verkäufer ohne den gewünschten Gewinn zurücklassen. Wie man kompetent Fotos für einen Online-Shop verkauft, sagen Experten den Online-Giganten Sapato.ru und Lamoda.ru.

Evgeniya Chukhnova ist Marketingdirektorin des Multi-Brand-Onlineshops Sapato.ru. Sapato.ru zählt zu den führenden E-Commerce-Projekten in Russland. Der Shop wurde 2010 mit westlichem Kapital gegründet und im Februar 2012 vom Onlinehändler Ozon.ru übernommen. Der Wert der Transaktion beläuft sich auf 50 Millionen US-Dollar.

Das Sortiment von Sapato.ru basiert auf Schuhen, was durch den Namen des Unternehmens bestätigt wird: Sapato bedeutet auf Portugiesisch „Schuhe“.

Burkhard Binder ist Mitgründer und Geschäftsführer von Lamoda.ru. Lamoda.ru wurde 2010 gegründet und ist heute einer der führenden russischen Online-Händler für Bekleidung und Schuhe. 2013 erhielt Lamoda.ru eine Rekordinvestition für den russischen Online-Markt: 130 Millionen US-Dollar.

Was braucht man zum Fotografieren von Schuhen?

Burkhard Binder: Zum Fotografieren von Schuhen benötigen Sie eine Kamera, zwei Lichtquellen und ein Stativ. Ein Stativ ist optional. Was die Fotoausrüstung betrifft, genügt jede digitale Spiegelreflexkamera mit Wechselobjektiven. Die Bildqualität hängt maßgeblich von den technischen Möglichkeiten des verwendeten Objektivs ab.

Evgeniya Chukhnova: Fotos für Online-Shops sollten hell, klar und gut verständlich sein. Dafür benötigen Sie zunächst eine professionelle oder zumindest semiprofessionelle Kamera mit hoher ISO-Empfindlichkeit. Bei großen Produktmengen stößt Amateur-Equipment schnell an seine Grenzen, da es nicht für solche Belastungen ausgelegt ist. Außerdem erfasst eine Kompaktkamera die Textur der Schuhe nicht, und Leder, Lackleder und Samt sehen auf Fotos alle gleich aus. Für ein hochwertiges Fotoshooting ist zudem eine gute Beleuchtung erforderlich – mindestens zwei professionelle Lampen, um die Ausleuchtung optimal einzustellen. Schuhe können je nach Vorliebe des Fotografen entweder auf einer Bühne oder vor einem weißen Papierhintergrund fotografiert werden. Lichtwürfel – kompakte, tragbare Boxen mit integrierten Lampen und Lichtdiffusoren – sind heutzutage sehr beliebt. Einfach den Lichtwürfel an eine Steckdose anschließen, den Schuh hineinstellen – und schon kann es losgehen. Lichtwürfel sind sehr einfach und praktisch, aber leider teuer und für die Fotografie kleiner Gegenstände wie Schmuck oder Gadgets konzipiert. Für Overknee-Stiefel eignen sie sich daher nicht. Zusätzlich zu der oben aufgeführten Ausrüstung benötigen Sie einen leistungsstarken Computer mit einem gut konfigurierten Monitor und eine Bildbearbeitungssoftware wie Adobe Photoshop und Adobe Lightroom.

Burkhard Binder : Die Bildbearbeitung ist ein wesentlicher Bestandteil der Fotovorbereitung. Manche Fotos benötigen nur geringfügige Retuschen – dafür eignet sich Adobe Lightroom. Sind umfangreichere Retuschen nötig, werden die Fotos in Adobe Photoshop bearbeitet.

Kann man auf einen professionellen Fotografen und ein Fotostudio verzichten?

Burkhard Binder: Um qualitativ hochwertige Fotos zu erhalten, ist ein professionelles Fotostudio nicht unbedingt erforderlich; ein gut ausgestatteter Raum von 6 Quadratmetern genügt.

Evgeniya Chukhnova: Idealerweise sollte das Schuhfoto von einem professionellen Fotografen gemacht werden. Ist das nicht möglich, kommt man mit improvisierten Mitteln kaum zurecht. Im Internet findet man zwar viele Tipps, wie man aus einem Karton eine Lichtbox bastelt, aber für wirklich hochwertige Fotos braucht man trotzdem mindestens eine professionelle Lampe, einen weißen Hintergrund, eine semiprofessionelle Kamera und eine Bildbearbeitungssoftware. Wer den Aufnahmeraum und die Beleuchtung zu Hause einrichten kann, kommt prinzipiell auch mit Eigeninitiative zurecht.

Wie stelle ich das Licht ein?

Burkhard Binder: Zunächst sollte auf die Vorbereitung der Probe vor dem Shooting und die Installation des Lichts geachtet werden. Durch die Beleuchtung können die Vorteile des Produkts sowohl hervorgehoben als auch umgekehrt nivelliert werden. Für eine hochwertige Motivfotografie sind mindestens zwei Lichtquellen erforderlich, die auf unterschiedliche Weise installiert werden können. Das einfachste Beleuchtungsschema sieht wie folgt aus: Eine Lichtquelle befindet sich links, die zweite rechts und beide sind schräg auf das Objekt gerichtet. Für die Aufnahme ist es besser, nicht konstante, sondern gepulste Lichtquellen zu verwenden – Blitze auf der Kamera oder gepulste Monoblöcke.

Evgeniya Chukhnova: Die Beleuchtung muss für jedes Schuhmodell oder für Modellgruppen je nach Material individuell eingestellt werden. Bei Sapato fotografieren wir Schuhe blockweise, um ständige Lichtwechsel zu vermeiden: Zuerst fotografieren wir alle Lederschuhe, dann alle Wildlederschuhe, alle Lacklederschuhe usw. Das spart Zeit beim Fotografieren großer Mengen. Die Textur des Schuhs ist der wichtigste Faktor bei der Lichteinstellung, da jedes Material Licht unterschiedlich absorbiert. Lackleder beispielsweise erzeugt sehr starke Reflexionen und ist daher schwer zu fotografieren. Weiße Schuhe sind jedoch noch anspruchsvoller, da sie ein spezielles Licht-Setup erfordern.

Soll ich die Schuhe am Fuß oder einzeln fotografieren?

Evgeniya Chukhnova: Für die Videos auf der Produktseite fotografieren wir Schuhe ausschließlich an den Füßen der Models. Diese Videos ermöglichen es Online-Käufern, die Schuhe aus verschiedenen Blickwinkeln genau zu betrachten und so indirekt die Absprungrate zu senken. Fotos der Schuhe selbst machen wir auf einem Tisch, nicht an Models. Zwar kann ein Foto an den Füßen des Models dem Käufer helfen, die Absatzhöhe, die Schaftweite und die tatsächliche Optik des Schuhs besser einzuschätzen, doch birgt diese Art der Fotografie immer wieder Herausforderungen: Jedes Model hat eine andere Fußgröße und -form, was den Schuhwechsel verzögert. Außerdem wirken manche Schuhe an den Füßen des Models ganz besonders. Auch das Fotoformat stellt eine Herausforderung dar: Ganzkörperaufnahmen verdecken die Schuhe, und abgeschnittene Füße wirken nicht immer ästhetisch. Im Gegensatz zu Fotos an den Füßen des Models lassen sich Produktfotos mit separaten Halbfuß-Ausschnitten leichter standardisieren und an das Website-Format anpassen. Für Fotoaufnahmen wählt man üblicherweise Herrenschuhe in Größe 41 und Damenschuhe in Größe 38: Schuhe dieser Größen wirken am proportionalsten.

Welche Merkmale der Schuhe sollen auf dem Foto zu sehen sein?

Burkhard Binder: Wie man so schön sagt: Der Teufel steckt im Detail. Um den besten Eindruck von Ihrem Produkt zu hinterlassen, beachten Sie Folgendes: Schuhe sollten sauber sein, die richtige Form haben (dies lässt sich durch Ausstopfen mit Papier erreichen), die Schnürsenkel ordentlich gebunden und die Enden nach innen gesteckt sein. Lackschuhe sollten glänzen und Wildlederschuhe staubfrei sein. Wichtig ist, dass die Materialstruktur deutlich sichtbar ist.

Evgeniya Chukhnova: Die Textur, also das Obermaterial, ist wirklich entscheidend: Sie sollte auf dem Foto gut erkennbar sein. Es ist außerdem wichtig, Futter und Innensohle separat zu fotografieren – diese Details sind für Käufer wichtig, und für manche sind auch Sohlenmaterial und -textur ausschlaggebend. Hilfreich ist es, wenn zusätzliche Verzierungen wie Strasssteine ​​oder Schnallen sowie wichtige Details wie Nähte, Steppnähte und Fäden sichtbar sind. Bei Markenschuhen ist es ratsam, auch das Markenlogo, ob aufgenäht oder anderweitig angebracht, zu zeigen. Für russische Käufer ist es wichtig, den Spann zu sehen, daher sollte eines der Fotos eine Seitenansicht des Schuhs enthalten.

Welche Winkel gibt es zum Fotografieren von Schuhen?

Burkhard Binder: Um sich einen ersten Eindruck von einem Produkt zu verschaffen, reichen drei Aufnahmen: Seitenansicht, Innenansicht und Vorderansicht. Wir bei Lamoda möchten unseren Kunden die Möglichkeit geben, das Produkt anhand von Fotos umfassend kennenzulernen, deshalb machen wir sieben Aufnahmen.

Evgeniya Chukhnova: Für die Fotos eines einzelnen Schuhmodells auf Sapato.ru haben wir sieben Perspektiven definiert: die Hauptperspektive, von oben, von unten, von hinten, von vorn und zwei von der Seite. Um die Dichte des Fells oder das schöne Futter zu zeigen, fügen wir ein Foto der Innenseite hinzu. Generell sind weniger als fünf Perspektiven nötig: Um jegliche Zweifel des Käufers auszuräumen, muss das Paar Schuhe aus der Hauptperspektive, von oben, von unten, von hinten und von vorn gezeigt werden. Wir beginnen das Shooting mit der Hauptperspektive, die im sogenannten „Frontfoto“ des Schuhs verwendet wird. Auf diesem Foto wird das Paar Schuhe oft schräg positioniert, um ihr Volumen zu zeigen und dem Käufer zu ermöglichen, den Stil auf den ersten Blick vollständig zu erfassen. Interessanterweise haben internationale Online-Shops etwas andere Standards. Auf Zappos.com beispielsweise zeigt das Frontfoto ein Paar Schuhe, wobei jedes Paar aus verschiedenen Winkeln fotografiert wird. Dadurch entsteht ein dreidimensionaler Eindruck aus einem einzigen Bild.

Wie bearbeite ich Fotos?

Evgeniya Chukhnova: Bei der Bearbeitung mit spezialisierten Programmen geht es weniger darum, sichtbare Makel an den Schuhen zu entfernen, sondern vielmehr um die Farbkorrektur des Fotos, um den tatsächlichen Farbton des Models wiederzugeben. Bei Bedarf kann man auch den Fokus anpassen. Mit Adobe Lightroom ist es praktisch, alle Fotos auf die gleiche Größe einzustellen: in unserem Fall 1000 x 500 Pixel – ausreichend, um beim Hineinzoomen alle Details und die Textur zu erkennen.

Muss ich eine Beschreibung des Modells veröffentlichen?

Evgeniya Chukhnova: Die Beschreibung ist ein entscheidender Bestandteil einer Produktkarte und sollte nicht vernachlässigt werden. Es ist wichtig, Pflichtfelder in der Beschreibung anzugeben, damit Sie bei Bedarf alle Produkte filtern können. Auf unserer Website haben wir folgende Pflichtfelder ausgewählt: Modellnummer, Saison, Farbe, Obermaterial, Futter, Innensohlenmaterial (wichtig für Modelle der Übergangszeit), Sohlenmaterial, Absatzhöhe (in Zentimetern) und Größenangabe (fällt klein aus, entspricht der üblichen Größe oder fällt groß aus). Auch wenn wir importierte Schuhe anbieten, ist es am besten, alle Größen in einem einheitlichen Format anzugeben. Die russische Größentabelle ist ideal, da sie für unsere Kunden leicht verständlich ist. Es empfiehlt sich außerdem, eine kurze Textbeschreibung des Modells von 200–300 Zeichen hinzuzufügen. Diese sollte den Stil, Verzierungen, Hinweise und andere nicht sichtbare Merkmale beschreiben. Wir geben auch immer die Schuhgröße auf dem Foto an – so können Kunden abschätzen, wie sich die Proportionen je nach ihrer Größe verändern. Alle Produktkarten müssen einheitlich gestaltet sein: Alle Fotos müssen die gleiche Größe und den gleichen Blickwinkel haben, und alle Pflichtfelder in den Modellbeschreibungen müssen ausgefüllt sein.

Erfolgreicher Online-Handel beginnt mit Fotos, denn diese sollen das Produkt in seiner ganzen Pracht zeigen. Schlechte Qualität und unprofessionelle Bilder können einen potenziellen Käufer abschrecken und …
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